Content-Marketing mit KI
Was ist Prompt Engineering?
Prompt Engineering heißt: eine Anweisung an ein Sprachmodell so zu schreiben, dass beim ersten oder zweiten Versuch ein brauchbares Ergebnis herauskommt statt beim zehnten. Der Prompt ist der Text, den Sie in ChatGPT, Claude, Gemini oder ein anderes Modell eingeben. Das „Engineering“ daran ist weniger Technik als Handwerk: Kontext mitgeben, Aufgabe eingrenzen, Format festlegen, Ergebnis prüfen.
Der Begriff klingt größer, als er ist. Im Kern ist ein guter Prompt ein gutes Briefing. Wer schon einmal einer Agentur oder einer neuen Kollegin eine Aufgabe erklärt hat, kennt die Frage, die dabei zählt: Was weiß mein Gegenüber noch nicht?
Warum derselbe Wunsch zu so unterschiedlichen Ergebnissen führt
Ein Sprachmodell kennt Ihr Unternehmen nicht, Ihre Zielgruppe nicht und auch nicht den Text, den Sie letzte Woche verworfen haben. Es füllt jede Lücke mit dem Wahrscheinlichsten. Und das Wahrscheinlichste ist fast immer das Durchschnittlichste.
Ein Beispiel. Dieser Prompt liefert einen austauschbaren Text:
Schreib einen Blogartikel über KI-SEO.
Dieser liefert etwas, mit dem man arbeiten kann:
Du schreibst für den Blog einer Steuerberatungskanzlei in Leipzig.
Leser: Inhaber kleiner Handwerksbetriebe, keine Marketing-Erfahrung.
Aufgabe: Erkläre in 600 Wörtern, warum ihre Website in Google-Antworten
mit KI-Zusammenfassung seltener angeklickt wird und was sie selbst
prüfen können.
Ton: sachlich, Sie-Form, keine Fachbegriffe ohne Erklärung.
Format: 3 Zwischenüberschriften, am Ende eine Checkliste mit 5 Punkten.
Lass weg: Werbung für Dienstleister, Prognosen über die Zukunft.
Der zweite Prompt ist länger, aber jede Zeile schließt eine Lücke, die das Modell sonst selbst gefüllt hätte.
Wie Sie Prompt Engineering praktisch anwenden
Die meisten brauchbaren Prompts enthalten dieselben Bausteine. Nicht jeder Prompt braucht alle, aber wenn ein Ergebnis danebenliegt, fehlt fast immer einer davon.
| Baustein | Frage dahinter | Beispiel |
|---|---|---|
| Rolle | Aus welcher Perspektive wird geschrieben? | „Du bist Lektorin für Fachtexte im Maschinenbau.“ |
| Kontext | Was muss das Modell über die Situation wissen? | Zielgruppe, Anlass, bisherige Versuche |
| Aufgabe | Was genau soll herauskommen? | „Kürze den Text auf 150 Wörter.“ |
| Format | Wie soll das Ergebnis aussehen? | Tabelle, Liste, Fließtext, JSON |
| Grenzen | Was soll nicht passieren? | „Keine erfundenen Zahlen. Wenn du etwas nicht weißt, schreib es.“ |
| Beispiel | Wie sieht gut aus? | Ein Absatz im gewünschten Stil |
Das Beispiel ist der am meisten unterschätzte Baustein. Ein einziger Absatz, der den gewünschten Ton trifft, erklärt einem Modell mehr als drei Sätze Stilbeschreibung.
Begriffe, die Ihnen begegnen werden
In Kursen und Fachartikeln tauchen einige Fachbegriffe immer wieder auf. Die meisten beschreiben etwas, das oben schon vorkommt:
| Begriff | Was gemeint ist | Brauchen Sie das? |
|---|---|---|
| Zero-Shot | Aufgabe ohne Beispiel | Für einfache Aufgaben reicht das |
| Few-Shot | Aufgabe mit einem oder mehreren Beispielen | Ja, sobald Ton oder Format stimmen müssen |
| Rollen-Prompt | „Du bist …“ am Anfang | Hilfreich, ersetzt aber keinen Kontext |
| Chain-of-Thought | Das Modell soll Zwischenschritte ausschreiben | Bei Rechen- und Logikaufgaben; neuere „Reasoning“-Modelle arbeiten ohnehin in Zwischenschritten |
| Prompt Chaining | Große Aufgabe in mehrere Prompts zerlegen | Ja, siehe „Eine Aufgabe pro Prompt“ unten |
| RAG | Das Modell bekommt passende Dokumente mitgeliefert | Im Kleinen: Ihre Unterlagen in den Prompt kopieren |
Bewährte Praktiken für präzise Prompts
Eine Aufgabe pro Prompt. „Recherchiere, gliedere, schreib und übersetze“ in einem Schritt führt zu vier mittelmäßigen Ergebnissen. In vier Schritten, jeweils mit Prüfung dazwischen, wird es besser.
Das Modell fragen lassen. Der Satz „Stell mir zuerst die Fragen, die du brauchst, bevor du anfängst“ spart oft mehrere Korrekturschleifen. Das Modell merkt dann selbst, was ihm fehlt.
Unsicherheit erlauben. Sprachmodelle erfinden lieber etwas Plausibles, als eine Lücke zuzugeben. Eine ausdrückliche Erlaubnis hilft: „Wenn du dir bei einer Angabe nicht sicher bist, markiere sie mit [prüfen].“ Ganz verhindern lässt sich das Erfinden damit nicht, aber die Stellen werden sichtbar.
Korrigieren statt neu anfangen. Wenn der erste Entwurf zu 70 Prozent passt, sagen Sie konkret, was an den restlichen 30 Prozent falsch ist. „Absatz 2 ist zu werblich, streiche die Adjektive“ wirkt besser als „mach es besser“.
Wissen mitliefern, das das Modell nicht haben kann. Aktuelle Preise, Ihr Sortiment, neue Gesetze oder was letzte Woche passiert ist, kennt ein Sprachmodell nicht zuverlässig. Kein Prompt ändert das. Entweder Sie geben die Informationen mit, oder Sie nutzen eine Funktion mit Websuche und prüfen die genannten Quellen selbst.
Einen wichtigen Prompt dreimal laufen lassen. Unterscheiden sich die Ergebnisse stark, fehlt dem Prompt eine Vorgabe. Prüfen Sie jedes Ergebnis an denselben drei Fragen: Stimmen die Fakten und lassen sie sich belegen? Passt das Format? Klingt es nach Ihrem Unternehmen?
Gute Prompts aufheben. Wer denselben Typ Text regelmäßig braucht, sollte den funktionierenden Prompt speichern und nur die Variablen austauschen. Das ist die eigentliche Zeitersparnis.
Beispiele für wirksame Prompt-Vorlagen
Drei Vorlagen, die sich im Alltag bewähren. Die Teile in eckigen Klammern ersetzen Sie.
Text überarbeiten, ohne ihn umzuschreiben:
Hier ist ein Text von mir: [Text]
Überarbeite nur Grammatik, Rechtschreibung und unklare Sätze.
Behalte meine Formulierungen, wo sie korrekt sind.
Liste danach jede Änderung mit kurzer Begründung auf.
Meta-Beschreibung für eine Seite:
Seite: [URL oder Inhalt einfügen]
Hauptsuchbegriff: [Begriff]
Schreib 3 Varianten einer Meta-Beschreibung, jeweils 140–155 Zeichen.
Jede muss die Frage beantworten, die hinter dem Suchbegriff steckt,
und darf nichts versprechen, was die Seite nicht hält.
FAQ aus echten Kundenfragen:
Hier sind Fragen, die Kunden uns per E-Mail gestellt haben: [Liste]
Fasse doppelte Fragen zusammen und formuliere sie so,
wie ein Kunde sie in eine Suchmaschine tippen würde.
Beantworte jede in höchstens 3 Sätzen, nur mit Informationen aus
diesen Unterlagen: [Unterlagen]. Fehlt eine Information, schreib „offen“.
Die letzte Vorlage zeigt ein Prinzip, das für SEO wichtig ist: Das Modell soll aus Ihrem Material arbeiten, nicht aus seinem allgemeinen Wissen. So entstehen Antworten, die es nur bei Ihnen gibt.
Fehler, die Sie beim Prompt-Design vermeiden sollten
- Zu viel Höflichkeit, zu wenig Information. „Könntest du bitte vielleicht einen schönen Text schreiben“ enthält kein einziges verwertbares Detail.
- Widersprüchliche Vorgaben. „Ausführlich, aber kurz“ zwingt das Modell zu raten, welche Vorgabe zählt.
- Zahlen und Quellen ungeprüft übernehmen. Das ist der teuerste Fehler. Studien, Paragrafen und Statistiken aus einer KI-Antwort sind so lange erfunden, bis Sie sie in der Originalquelle gefunden haben.
- Vertrauliches in öffentliche Tools kopieren. Kundendaten, Verträge und interne Zahlen gehören nicht in ein Chatfenster, dessen Datenverarbeitung Sie nicht kennen. Viele Anbieter bieten Business-Tarife, bei denen Eingaben nicht zum Training verwendet werden. Das sollte vorher geklärt sein.
- Das erste Ergebnis veröffentlichen. Ein KI-Entwurf ist ein Entwurf. Bei Texten, die unter Ihrem Namen erscheinen, bleibt die Verantwortung bei Ihnen.
Welche Werkzeuge Prompt Engineering unterstützen
Für den Einstieg brauchen Sie nichts außer dem Chatfenster des Modells, das Sie ohnehin nutzen. Hilfreich werden weitere Werkzeuge, sobald sich Aufgaben wiederholen:
- Gespeicherte Anweisungen. ChatGPT, Claude und Gemini erlauben dauerhafte Vorgaben pro Projekt oder Konto, etwa Tonfall, Zielgruppe oder Firmenbeschreibung. Das erspart den immer gleichen Kontextblock.
- Eine gemeinsame Prompt-Sammlung im Team. Für Einzelne reicht ein Dokument; lohnenswert werden spezialisierte Prompt-Manager erst, wenn mehrere Leute dieselben Vorlagen pflegen.
- Die API der Anbieter. Wer denselben Prompt hundertfach mit wechselnden Daten ausführen will, zum Beispiel für Produktbeschreibungen, landet bei der Programmierschnittstelle. Dann werden Prompts zu Code und sollten auch so versioniert und getestet werden.
- Generatoren für Bild-Prompts. Bei Bildmodellen hängt viel an Fachbegriffen aus der Fotografie. Unser kostenloser Promptgenerator setzt solche Prompts aus Bausteinen zusammen.
Fazit: Warum sich gutes Prompt Engineering lohnt
Der Unterschied zwischen einem schwachen und einem guten Prompt ist selten Geheimwissen. Es sind fünf Minuten mehr Nachdenken darüber, was das Modell wissen muss. Diese fünf Minuten sparen die Korrekturschleifen, in denen die meiste Zeit mit KI-Werkzeugen verloren geht.
Für Suchmaschinen und KI-Assistenten gilt das doppelt. Ein Text ohne eigenes Material gleicht tausend anderen, und es gibt wenig Grund, ausgerechnet ihn zu zitieren. Wie KI-Suchsysteme Quellen auswählen, steht in KI-SEO erklärt. Ob eine fertige Seite technisch zitierfähig ist, zeigt der kostenlose KI-Sichtbarkeits-Check.
Prompt Engineering: kurze Antworten
Brauche ich Programmierkenntnisse für Prompt Engineering?
Nein. Für die Arbeit im Chatfenster reicht klare Sprache. Programmierkenntnisse werden erst wichtig, wenn Prompts automatisiert über eine API laufen, etwa um hunderte Produkttexte in einem Durchgang zu erzeugen.
Auf Deutsch oder auf Englisch prompten?
Für Texte, die auf Deutsch erscheinen sollen, auf Deutsch. Die großen Sprachmodelle verstehen Deutsch gut, und ein deutscher Prompt liefert in der Regel natürlicheres Deutsch als ein englischer Prompt mit dem Zusatz „antworte auf Deutsch“. Probieren Sie es an einer eigenen Aufgabe aus. Bei Bildgeneratoren sieht es anders aus: Viele reagieren auf englische Begriffe präziser.
Funktioniert derselbe Prompt in jedem Modell gleich?
Nicht ganz. Die Grundregeln gelten überall, aber Modelle reagieren unterschiedlich auf Länge, Formatvorgaben und Beispiele. Ein Prompt, der wichtig ist, sollte in dem Modell getestet werden, in dem er später auch läuft.
Ist Prompt Engineering ein eigener Beruf?
Es gibt Stellen mit diesem Titel, vor allem in Softwarefirmen. In den meisten Unternehmen ist es aber eine Fähigkeit, die in vielen Rollen gebraucht wird: Redaktion, Marketing, Entwicklung, Support. Wer gut briefen kann, promptet meist auch gut.
Müssen Unternehmen ihre Mitarbeiter im Umgang mit KI schulen?
Die EU-KI-Verordnung verlangt seit dem 2. Februar 2025 von Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, dass ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenz verfügt (Artikel 4). Wie das nachgewiesen wird, schreibt die Verordnung nicht im Detail vor. Grundwissen zum Prompten, zu erfundenen Angaben und zum Datenschutz gehört sinnvollerweise dazu. Für die konkrete Umsetzung im eigenen Betrieb lohnt eine rechtliche Einschätzung.